Vater werden ist nicht schwer

Wilhelm Busch: Vater werden ist nicht schwer

Das weltbekannte Gedicht “Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr” stammt aus der Bildergeschichte Julchen (1877) von Wilhelm Busch. Es thematisiert auf humorvolle und ironische Weise die Pflichten der Ehe und des Vaterseins im Vergleich zum unbeschwerten Junggesellenleben.

Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Ersteres wird gern geübt,
Weil es allgemein beliebt.

Selbst der Lasterhafte zeigt,
Dass er gar nicht abgeneigt;
Nur will er mit seinen Sünden
Keinen guten Zweck verbinden,

Sondern, wenn die Kosten kommen,
Fühlet er sich angstbeklommen.
Dieserhalb besonders scheut
Er die fromme Geistlichkeit,

Denn ihm sagt ein stilles Grauen:
Das sind Leute, welche trauen.
So ein böser Mensch verbleibt
Lieber gänzlich unbeweibt.

Ohne einen hochgeschätzten
Tugendsamen Vorgesetzten
Irrt er in der Welt umher,
Hat kein reines Hemde mehr,

Wird am Ende krumm und faltig,
Grimmig, greulich, ungestaltig,
Bis ihn dann bei Nacht und Tag
Gar kein Mädchen leiden mag.

Onkel heißt er günst’gen Falles,
Aber dieses ist auch alles.

Oh, wie anders ist der Gute!
Er erlegt mit frischem Mute

Die gesetzlichen Gebühren,
Läßt sich redlich kopulieren,
Tut im stillen hocherfreut
Das, was seine Schuldigkeit,

Steht dann eines Morgens da
Als ein Vater und Papa
Und ist froh aus Herzensgrund,
Daß er dies so gut gekannt.
Wilhelm Busch: Vater werden ist nicht schwer
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