Heinrich Seidel: “Der Zeisig”
Vertonung des Gedichts “Der Zeisig” von Heinrich Seidel. “Der Zeisig” ist ein kurzes, 18-zeiliges deutsches Gedicht des Ingenieurs und Schriftstellers Heinrich Seidel (1842–1906). Es erzählt die Geschichte eines kleinen, fröhlichen Erlenzeisigs, der vergnügt singt, sich von einer kritischen Amsel nicht entmutigen lässt und einfach so singt, wie er sich fühlt.
War einmal ein winz'ges Ding, So ein kleines Zitscherling, Sass vergnügt auf seinem Aste, Sang sein Lied wie es ihm passte. Sprach die Amsel aus dem Wipfel: "Ei, du dummer kleiner Zipfel! Wer nicht besser singen kann, Der fang' lieber gar nicht an!" Jener liess sich nicht bethören, Sprach: "Es braucht nicht zuzuhören, Wem mein Liedchen nicht gefällt... Gross genug ist diese Welt! Darum lass' mich doch in Frieden! Mir hat Gott nicht mehr beschieden, und ich singe früh und spät So wie mir der Schnabel steht, Weil ich lustig bin und heiter ... Wer's nicht hören mag, geh' weiter!"
