Lasst uns marschieren

Lyrik.cc: Lasst uns marschieren

Vertonung des Gedichts “Lasst uns marschieren” von Johannes Kaiser-Kaplaner. Das Gedicht “Lasst uns marschieren” ist ein Protestsong, der durch die einfache, aber treffsichere Sprache und die klare Rhythmisierung die Kritik an Aufrüstung und vernachlässigter Diplomatie prägnant und ohne Umschweife auf den Punkt bringt.
(Analyse – erstellt von Gemini – siehe unten).

Lasst uns marschieren

Milliarden fließen in das Feuer,
kein Preis dafür ist uns zu teuer!
Ein Wort am Tisch? Das bringt kein Geld,
das Liefern der Waffen saniert die Welt!

Lasst uns marschieren! Lasst uns marschieren!
Milliarden für Waffen, Gespräche verstummt
Lasst uns marschieren!
Moral verpackt in Pulverdampf,
für Werte zahlt man jeden Kampf!

Wer Diplomatie noch wagen will,
der halte jetzt gefälligst still.
Der Markt braucht Krieg, das Geld muss rollen,
weil wir die Waffen liefern wollen!

Lasst uns marschieren! Lasst uns marschieren!
Milliarden für Waffen, Gespräche verstummt
Lasst uns marschieren!
Moral verpackt in Pulverdampf,
für Werte zahlt man jeden Kampf!

Für Schulen fehlt das Geld im Land,
doch Panzer liefert uns die Hand.
Ein Handschlag bringt ja kein' Profit,
drum verdient die Rüstung fleißig mit!
Am Ende bleibt nur Schutt und Stein,
doch unser Gewissen, das bleibt rein.

Lasst uns marschieren! Lasst uns marschieren!
Milliarden für Waffen, Gespräche verstummt
Lasst uns marschieren!
Moral verpackt in Pulverdampf,
für Werte zahlt man jeden Kampf!

Analyse: Lasst uns marschieren

1. Einleitung & Themenstellung

Der Liedtext „Lasst uns marschieren!“ ist ein gesellschaftskritischer, stark ironisch-zynischer Songtext in Gedichtform.
Er setzt sich kritisch mit der aktuellen Sicherheitspolitik, der Rüstungsfinanzierung und der verdrängten Diplomatie im Kontext internationaler Konflikte auseinander.
Das zentrale Motiv ist das Spannungsfeld zwischen moralischer Wohlfeilheit („Moral verpackt in Pulverdampf“) und der ökonomischen Verflechtung der Rüstungsindustrie mit geopolitischen Entscheidungen.

2. Form & Rhythmus

Der Text ist klassisch in drei Strophen (Verses) und einen wiederkehrenden Refrain (Chorus) gegliedert:

  • Strophenform: Paarreime (AABB in Verse 1 & 2, AABBCC in Verse 3) geben den Strophen eine klare, eingängige Struktur, die den Marschrhythmus unterstreicht.
  • Refrain: Dient als rhythmischer Anker. Die repetitive Aufforderung „Lasst uns marschieren!“ wirkt mechanisch, treibend und betont den Verweigerungscharakter gegenüber friedlichen Alternativen.
  • Metrik & Takt: Der Rhythmus ist auf einen schweren, marschartigen 2/4-Takt (Duoltakt) ausgerichtet. Die Zäsur im Refrain („Gespräche verstummt“) erzeugt einen harten, abgehackten Akzent.

3. Inhaltliche & Motivanalyse

Strophe 1: Die Ökonomisierung des Krieges

Die erste Strophe verdeutlicht den finanziellen Aspekt von Konflikten. Während Diplomatie als unrentabel dargestellt wird („Ein Wort am Tisch? Das bringt kein Geld“), wird das Liefern von Waffen ironisch als Rettung der Welt inszeniert. Der Begriff „sanieren“ verbindet Wirtschaftssprache mit geopolitischem Handeln.

Refrain: Das Dogma des Marschierens

Der Refrain bringt die Kernkritik auf den Punkt: Die Verdrängung des Dialogs durch Aufrüstung („Milliarden für Waffen, Gespräche verstummt“). Die Metapher „Moral verpackt in Pulverdampf“ entlarvt den vorgegebenen Werte-Diskurs als rhetorische Fassade für kriegerische Eskalation.

Strophe 2: Sprechverbote & Marktinteressen

Hier wird die gesellschaftliche Verengung des Debattenraums kritisiert. Wer Diplomatie fordert, soll „gefälligst still“ halten. Die Zeilen „Der Markt braucht Krieg […] weil wir die Waffen liefern wollen!“ bringen die inhaltliche Zuspitzung auf die finanziellen und ökonomischen Eigeninteressen der Beteiligten.

Strophe 3: Binnenpolitische Verteilungskonflikte & Doppelmoral

Die dritte Strophe stellt den Kontrast zwischen fehlenden Investitionen im Inland („Für Schulen fehlt das Geld im Land“) und reibungsloser Aufrüstung her. Das Bild des sauberen Gewissens über den Trümmern („Am Ende bleibt nur Schutt und Stein, / doch unser Gewissen, das bleibt rein“) entlarvt die moralische Selbstgerechtigkeit als zentrales Motiv der Kritik.

4. Stilistische Mittel & Rhetorik

  • Sarkasmus & Zynismus: Durchgehend angewendet (z. B. „das Liefern der Waffen saniert die Welt“), um die Absurdität der Logik offenzulegen.
  • Antithese (Gegenüberstellung): „Schulen“ vs. „Panzer“, „Worte/Handschlag“ vs. „Profit/Waffen“.
  • Metaphern: „Milliarden fließen in das Feuer“, „Moral verpackt in Pulverdampf“.
  • Imperativ: Die ständige Aufforderung „Lasst uns marschieren!“ zieht den Hörer in die Pflicht und zwingt zur Haltung.

5. Fazit

Der Text funktioniert als wirkungsvoller Protestsong. Durch die einfache, aber treffsichere Sprache und die klare Rhythmisierung eignet er sich hervorragend zur musikalischen Vertonung in einem düsteren, marschähnlichen oder kabarettistischen Stil. Er bringt die Kritik an Aufrüstung und vernachlässigter Diplomatie prägnant und ohne Umschweife auf den Punkt.

Lasst uns marschieren
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