Heinrich Heine: “Die Loreley”
Vertonung des Gedichts “Die Loreley” von Heinrich Heine. Das Gedicht fängt die Essenz der Rheinromantik ein, indem es Folklore, Natur und Tragik miteinander verbindet. Heine verwebt klassische Elemente wie Natur, Folklore und Abendstimmung mit einer Ebene der Ironie. Die melancholische Stimmung des Erzählers bildet den Rahmen für eine Geschichte über die zerstörerische Kraft unerreichbarer Schönheit und Besessenheit.
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin; ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein; der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein. Die schönste Jungfrau sitzet dort oben wunderbar; ihr goldnes Geschmeide blitzet, sie kämmt ihr goldenes Haar. Sie kämmt es mit goldenem Kamme und singt ein Lied dabei; das hat eine wundersame, gewaltige Melodei. Den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh; er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf in die Höh. Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn; und das hat mit ihrem Singen die Loreley getan.
